Pfarrkirche zum Heiligen Sigismund

Romanische und gotische Bauteile im barocken Umbau, frühbarocker Hochaltar

Schutzengelkirche

Die heutige Pfarrkirche wird erstmals 1170 in einer Urkunde  mit  „Harintschach Philippi et Jacobi“ als Leibnitzer Filialkirche  erwähnt. Sie war also ursprünglich den Heiligen Philipp und Jakob geweiht.

Im 12. Jahrhundert war das Land im Besitz der wohlhabenden Markgrafen Pilgrim und Günther (Abrigonengut) und ging dann in den Besitz des Domstiftes Gurk über.

1493 wurde der Heilige Sigismund Pfarrpatron. Eine Statue des im 5. und 6. Jahrhundert lebenden Königs von Burgund steht auf dem Hochaltar.

Das historische Altarbild mit der Darstellung des Heiligen wurde im Zuge der Kirchenrenovierung 1971 auf dem Dachboden gefunden und befindet sich heute im Privatbesitz.

Das Kirchweihfest findet alljährlich am 1. Sonntag im September als Schutzengelfest statt. Der Hügel, auf dem Kirche und Schule stehen, heißt im Volksmund Schutzengelberg.

Nach Prof. Eduard Staudinger ist die ehemalige Kapelle möglicherweise eine Gründung der Grafen von Heunburg, war aber nie Eigenkirche.

Seit 1948 ist Heimschuh eine selbständige Pfarre, deren erster Pfarrer Geistlicher Rat Franz Schuster war.

 

Kunstgeschichte

Das Langhaus der heutigen Kirche ist im aufsteigenden Mauerwerk romanisch, wobei im Kircheninneren spätantike Spolien (Grabdachziegelstücke, Triumphbogen) eingemauert sind. Die ursprünglich viel kleinere Kirche trägt über der damaligen Haupteingangstür die Jahreszahl 1496.

An der Ostseite dürften vor dem Anbau des Presbyteriums  Fenster bestanden haben, die Licht auf die Fresken an der Westseite warfen. Dort soll es nämlich unter dem Chorverputz Fresken von fünf Heiligen gegeben haben (siehe : Hüller, der  aus der dortigen Pfarrchronik – heute verschollen - zitiert ). Chorquadrat und Fresken sind heute verschwunden. Möglicherweise geht dieser Bau einer Rodungskirche auf Privatinitiative zurück, da Chorquadratkirchen im direkten Salzburger (Leibnitzer) Bereich eher ungewöhnlich sind.

Maßangaben des damaligen Kirchenschiffs: Länge: 11,5 m, Breite: 6,5 m, Mauerstärke: 0,82 m. Das Mauerwerk ist grobes, unregelmäßiges Hausteinmauerwerk, wobei die Steine ihrem geologischen Ursprung nach, von Steinbrüchen aus Nestelberg und Muggenau stammen dürften. Teilweise bestehen die Mauern aus einer Außen- und Innenmauer, die mit Steinen ausgefüllt wurden. Im Zuge der Umbauten wurden auch Metallschließen eingezogen um die Stabilität zu erhöhen. Die Fensterumrahmungen sind Quadersteine aus Aflenzer Sandstein und waren ursprünglich vergittert.

Bauliche Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert:
Bau des 23 m hohen, barocken Turms, der 1889 von einem Blitz  zerstört wurde. Beim anschließenden Neubau, der 1893 beim 400 jährigen Jubiläum der Kirche wieder fertig war, wurden die Fensterumrahmungen ebenfalls aus Aflenzer Sandstein gefertigt.

Das heutige Presbyterium wurde Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit der Sakristei angebaut. Der Reliefstern mit der Lamm-Gottes Abbildung im Presbyterium ist wahrscheinlich erst später als historisierendes Beiwerk hinzugefügt worden.
Der Choraufgang und der, dem Heiligen Raffael geweihte Außenaltar wurden im 20. Jahrhundert errichtet.

Bei der Außenrestaurierung 1971 wurden drei tiefliegende Trichterfenster im Presbyterium an der Ostseite freigelegt, aber wieder vermauert und  das ursprüngliche Ziegeldach durch ein Eternitdach ersetzt. Zwei dieser Fenster sowie ein Rundbogenfenster an der Nordseite wurden bei einer neuerlichen Renovierung 1979 wieder geöffnet. Der neugotische Hochaltar, 1948 von den Ursulinen in Graz erworben, wurde entfernt und so fand der damals als Seitenaltar verwendete alte Hochaltar nach seiner Restaurierung wieder seine ursprüngliche Verwendung. Dem Vatikanischen Konzil entsprechend gibt es seit dieser Zeit auch einen Volksaltar. Der Turm wurde 1986 mit Kupferblech verkleidet und das Turmkreuz vergoldet.

Bei der Kirchplatzgestaltung 1998 wurden bei den Grabarbeiten zahlreiche Knochenreste, aber auch handgeschmiedete Nägel als Reste von Särgen gefunden. Außerdem lagen in einer Tiefe von 50 cm fünf Skelette, die bis heute unerklärlich, mit dem Gesicht nach unten beigesetzt worden waren. Der Überlieferung nach soll es früher einmal rund um die Kirche einen Friedhof gegeben haben. Der heutige Friedhof, etwa 200 m von der Kirche entfernt, wurde erst nach Gründung der Pfarre 1948 errichtet.

Literatur: Graus J. Notiz in: Ki II/1871 S 116               
               Hüller – Dissertation 1969 S 67 – 69              
               Wilhelm Deuer: Romanische Kirchen in der Steiermark